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Boris Becker leitet Lehrgang an der TennisBase Hannover

„Ich erzähle den Spielern, wie Tennis heute gespielt und gewonnen wird“

Boris Becker mit dem TennisBase-Chef Julian Battmer (v.l.), Vizepräsidentin Beate Lonnemann und Geschäftsführer Michael Wenkel.

Boris Becker in seinem Element. Fotos: DTB

Gemeinsam für starken Tennis-Nachwuchs in Deutschland: Nicolas Kiefer und Boris Becker.

Zum ersten Mal leitete Boris Becker in seiner neuen Eigenschaft als „Head of Men‘s Tennis“ in Deutschland einen Lehrgang mit einem Teil der besten nationalen Junioren. Austragungsort war mit der TennisBase Hannover einer der drei Tennis-Bundesstützpunkte Deutschlands. Und so waren natürlich auch die in Hannover ansässigen Bundestrainer Peter Pfannkoch und Jan Velthuis als Trainer vor Ort. Sie arbeiteten drei Tage lang intensiv mit einem Teil der DTB-Talent-Teams und Spielern der TennisBase Hannover.

Unübersehbar war dabei die Intensität mit der sich der dreifache Wimbledonsieger Becker seiner neuen Aufgabe annimmt. Unübersehbar aber auch, wie intensiv seine Strahlkraft, seine Präsenz und sein umfassendes Wissen um die Tennisszene ist. Die Gespräche mit den Junioren – unter ihnen auch die in der TennisBase beheimateten Spieler Louis Wessels, Flynn Künkler, Osman Torksi, Nino Ehrenschneider und Bastien Presuhn – fielen jede Sekunde auf fruchtbaren Boden. Tipps wurden nicht nur angenommen, sondern schnell umgesetzt.

Und das hat Boris Becker zur TennisBase Hannover sowie zum nationalen und internationalen Tennisgeschehen zu sagen:

…zur TennisBase Hannover
Früher war dies das einzige DTB-Leistungszentrum, ich habe hier auch trainiert. Natürlich ist alles viel moderner geworden, der Belag ist internationalen Maßstäben angepasst. Die Trainingsbedingungen hier sind super und die TennisBase Hannover ist ein wichtiger Stützpunkt des Deutschen Tennis Bundes neben München und Stuttgart.

…über das duale System von Leistungssport und Schule der TennisBase Hannover
Ich rate keinem Kind, mit 16 die Schule abzubrechen, Wir machen keinen Druck und bieten wie hier in Hannover Möglichkeiten an, beides zu verbinden. Man kann das Abitur machen und trotzdem Tennisprofi werden. Und wenn mich ein Jugendlicher fragt, ob es zum Profi reichen wird, sage ich ihm immer die Wahrheit.

..über seiner Aufgabe als Head of Men‘s Tennis
In dieser Rolle besichtige ich die Stützpunkte und trainiere auch mit den Jugendlichen. Ich versuche ihnen genau das Tennis beizubringen, das man in der Weltklasse spielt. Was natürlich nicht in zwei Tagen geht und schon gar nicht ohne die Zusammenarbeit mit den Trainern. Aber ich kann erzählen, wie heute Tennis gespielt und gewonnen wird. Durch meine Arbeit mit Djokovic wissen alle, dass ich es live erlebt habe und nicht im Gestrigen lebe. Also hören die Jugendlichen ganz genau hin. Da ist eine Menge Respekt, den ich aber auch beweisen muss.

…zu den wichtigen Aspekten im Profitennis
Ich sage immer, der Umkleideraum schläft nicht. Die Konkurrenz schaut sich genau an, warum Zverev dauernd gewinnt. Beim vierten oder fünften Mal haben die anderen Spieler das verstanden. Darauf muss man sich einstellen und darum verändern sich die Topspieler alle 18 Monate. Und das ist auch meine Botschaft an die Junioren: Man braucht Plan A, B und C, um zu gewinnen.

…über die Intensität des Trainings
Das Feuer zur Bereitschaft erkenne ich bei einigen, aber nicht bei allen. Die Guten trainieren so viel, wie sie müssen, um zu gewinnen. Man kann Training nicht allein in Stunden messen. Es kommt auf die Intensität an. Die Tage hier waren sehr intensiv. Die Frage ist, wie oft sie das wiederholen können. Das wird im Alltag schwierig. Aber intensives Training ist das Wichtigste, steht über dem Anteil als Talent, der ist relativ. Die Geschichte, dass man morgens aufwacht und denn jeden Ball trifft, das ist ein Märchen, so funktioniert das nicht.

..über den selbstständigen Spieler
Ich bin ein Verfechter des mündigen Spielers. Im Gegensatz zum Fußballer, der seine Mitspieler hat, steht man im Tennis allein auf dem Platz. Darum muss ein Tennisspieler sehr früh sehr schnell erwachsen werden, um eigene Entscheidungen treffen zu können. Und genau das fördere ich auch im Training.

…über die deutschen Herren im internationalen Vergleich
In der Meldeliste für die Australian Open 2018 sind acht Deutsche im Hauptfeld, das ist positiv. Klar ist: Je mehr wir in den ersten 120 haben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, wirkliche Weltklassespieler auszubilden. Mit Sascha Zverev haben wir einen absoluten Weltklassespieler. Also ist die Behauptung, dass in Deutschland kein Weltklassetennis gespielt, einfach falsch. Und es gibt gute Jugendspieler. Wir haben hinter Zverev, der mit 20 ja auch noch ein Jugendlicher ist, Spieler, die das Zeug haben, um es nach ganz oben zu schaffen. Schließlich sind Top 10, Top 20 auch Weltspitze. Vielen deutschen Spielern, die jahrelang in dem Bereich der Weltspitze spielen wird nicht genügend Respekt gezollt.