Bewegend und bewegt: Die Geschichte des NTV

Der Niedersächsische Tennisverband (NTV) blickt auf eine über 60-jährige, erfolgreiche Geschichte zurück. Seit der Zeit, als die Herren in den langen, weißen und streng gebügelten Hosen das Bild bestimmen und man(n) über die Damen die Nase rümpft, wenn die Knie beim Spiel zu sehen sind, hat der NTV manche Entwicklung mitgemacht – nicht nur modisch.

Erste Clubs
Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird auf dem Gebiet des heutigen Bundeslands Niedersachsen regelmäßig Tennis im Verein gespielt. Der neue Sport aus England erfreut sich schnell großer Beliebtheit: Die ersten Clubs gründen sich in den 1890er Jahren, darunter der Emder Lawn Tennis Club und der Hildesheimer Tennisverein (beide 1892). Der 1896 frisch aus der Taufe gehobene Deutsche Tennis-Verein Hannover (DTV) kann auf Anhieb 120 Mitglieder verzeichnen; in Braunschweig bestehen 1895 sogar schon 20 Vereine. Dachverband aller Clubs ist seit 1902 der Deutsche Tennis Bund (DTB). Landesverbände gibt es zu dieser Zeit nicht.

Zunächst ist Tennis noch ein Sport mit elitärem Ruf. Da passt es ins Bild, dass ein niedersächsischer Adliger das deutsche Tennisgeschehen der 1930er Jahre dominiert –Gottfried von Cramm, der so genannte „Tennis-Baron“. Der populäre und international erfolgreiche Sportler löst nicht nur einen ersten kleinen Tennis-Boom aus, er wird später auch eine entscheidende Rolle dabei spielen, das Tennis in Niedersachsen in der Nachkriegszeit wiederzubeleben.

Neubeginn
1945 lösen die Alliierten die bestehenden Sportvereine und -verbände auf. Gottfried von Cramm ergreift gemeinsam mit Richard Stephanus aber schon 1946 die Initiative für den Wiederaufbau der Tennislandschaft in Deutschland: Beide schreiben einen Rundbrief, um sportliche Weggefährten und Vereine nach den Kriegswirren wieder zueinander zu bringen. Mit Erfolg: Aus Hannover, Braunschweig, Göttingen und anderen Städten kommen Rückmeldungen. So kann 1947 die Interessengemeinschaft Nord gebildet werden, aus dem der NTV hervorgeht.

Die 71 niedersächsischen Vereine, die unter dem Dach des NTV organisiert sind, schließen sich dem 1949 wiedergegründeten DTB an. Dieser umfasst nun nicht mehr einzelne Clubs, sondern ganze Landesverbände. Richard Stephanus wird sowohl Bundesleiter des DTB als auch erster Vorsitzender des NTV. Doch noch ist der NTV nicht im Vereinsregister angemeldet. Das erfolgt am 2. Januar 1952 – es ist der offizielle Geburtstag des Niedersächsischen Tennisverbands.

Volkssport Tennis
Von nun an geht es stetig bergauf. Der erste Vorstand Fritz Kütemeyer, von 1952 bis 1971 an der Spitze des NTV, verfolgt das Ziel, Tennis zum Volkssport zu machen. Und das gelingt. Die Zahlen sprechen für sich: 1955 sind 108 Vereine mit rund 13.000 Mitgliedern im NTV organisiert, 1978 bereits 680 Vereine. Die Mitgliederzahl überschreitet die 100.000er-Marke. Nur zwölf Jahre später – auf dem Höhepunkt des Tennis-Booms anfangs der 1990er-Jahre – hat sie sich verdoppelt und mit weit über 200.000 Mitgliedern ihren bisherigen Höchststand erreicht. Mehr als 1.100 Vereine gibt es zu dieser Zeit im NTV.

Erfolgsfaktoren: Nachwuchsförderung und Jugendarbeit
Von Anfang an setzt der NTV auf eine gute Jugendarbeit. Hier zeichnet sich das spätere Ehrenmitglied Dr. Friedrich Molsen aus. Der Jugendwart der ersten Stunde erkennt, dass der Tennisnachwuchs ausgebildet und gesichtet werden muss, damit es einen Aufschwung im Jugendtennis gibt. Molsen findet den passenden Kandidaten für diese Aufgabe in Walter Suhr: „Papa Suhr“, wie er genannt wird, wird der erste Landestrainer. Weitere kommen hinzu, und auch die einzelnen Bezirke des NTV stellen nach und nach eigene Tennislehrer ein.

Als 1981 das Leistungszentrum in Bad Salzdetfurth seine Pforten öffnet, bekommt der NTV damit nicht nur eine neue Geschäftsstelle, sondern verfügt von nun an auch über eine moderne und umfangreich ausgestattete Ausbildungseinrichtung für alle Arten von Tenniskursen, -seminaren und -workshops. Ganz besonders konzentriert man sich auch hier auf die Jugendarbeit.

Starke Stütze des deutschen Spitzentennis
Für den NTV starten im Laufe der Jahre zahlreiche deutsche Spitzenspieler: Hans-Jürgen Pohmann, Jürgen Fassbender, Uli Pinner, Rolf Gehring und Hans Dieter Beutel bestimmen in ihren Zeiten das nationale wie auch das internationale Tennis mit. Anna-Lena Grönefeld und Nicolas Kiefer sind die Namen aus der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart. Die beste deutsche Doppelspielerin und die ehemalige Nummer vier der Weltrangliste haben ihre Tennis-Wurzeln in Hannover. Und diese führten sie auch dorthin zurück: Anna-Lena Grönefeld lebt in Hannover und trainiert an der TennisBase, Nicolas Kiefer ist der dortige Headcoch.

Die TennisBase, das seit 2007 in der Landeshauptstadt angesiedelte Bundesleistungszentrum, machen Niedersachsen und den NTV seither zu einem Zentrum des Profitennis in Deutschland und zu einer tragenden Säule des DTB. Schon einige hier ausgebildete Tennistalente haben den Sprung in die Top-100 der Weltrangliste geschafft, zum Beispiel Julia Görges oder Martina Müller.

Doch nicht nur von dort gehen Impulse für die Weiterentwicklung und Förderung des Tennissports durch den NTV aus: Als Ausrichter von Welt- und Europameisterschaften, der Deutschen Hallenmeisterschaften, als Gastgeber für internationale und nationale Starter bei Weltranglistenturnieren und bei hochkarätigen Mannschaftsbegegnungen hat sich der NTV weit über die Landesgrenzen hinaus einen Ruf als routinierter und erfolgreicher Turnierausrichter erworben.

 

Traditionsbewusst und innovationsfreudig
Aufgrund der geschichtsträchtigen Vergangenheit zeigt sich der NTV durchaus traditionsbewusst, doch er bleibt aufgeschlossen gegenüber den modernen Entwicklungen im Tennissport. Die künftigen Herausforderungen, etwa der Erhalt der hohen Mitgliederzahl trotz demographischem Wandel, geht der NTV engagiert und mit klaren Zielen für die Zukunft an. Denn sicher ist: Tennis war, ist und wird für jede Altersklasse und für jede Spielstärke immer eine ganz besondere Sportart bleiben.